Tino Eisbrenner kommt nach Heidelberg. Wir freuen uns auf einen großartigen Abend voller Musik und Poesie mit dem Musiker, Autor, Theaterdarsteller, Komponisten und Musikproduzenten. Am 14. März wird er in der Heidelberger Bahnstadt ein Konzert geben. Bekannt wurde Tino Eisbrenner als Sänger der DDR-Pop-/Rock-Band Jessica. Seit vielen Jahren setzt er sich unerschrocken für Völkerverständigung, Frieden und den Dialog mit Russland ein. Eine ganz persönliche Würdigung.
von Annett Haas
Wir DDR-Kinder der 70er und 80er Jahre sind mit Musiksendungen wie „bong“, „Stop!Rock“ oder „rund“ großgeworden. Neben den international gefeierten Bands wie Depeche Mode oder Duran Duran hatten wir auch unsere ganz eigenen Idole – DDR-Künstler, die nicht weniger gute Musik machten als die ganz großen Stars. Dazu zählen – heute über den Osten hinaus bekannte – Bands wie Silly, die Puhdys, City, Die Zöllner oder Pankow. Für die etwas Jüngeren kamen später Keimzeit, Dirk Michaelis, Ralf „Bummi“ Bursy oder IC Falkenberg hinzu.
Eine Band erkannte man auch optisch sofort: Jessica. Ihr Sänger Tino Eisbrenner trug eine rote Ledermütze schräg auf dem Kopf. Unvergessen sind Hits wie „Ich beobachte Dich“, ein Lied, bei dem man heute automatisch an „Every Breath You Take“ von The Police denkt, das ich damals gar nicht kannte, an deren Sound sich Jessica aber musikalisch orientierte, oder „Die kleinen Mädchen“ und „Spieler“.
Mit der Wende änderte sich mein Musikgeschmack. Ich widmete mich zunächst intensiv den deutschen und lateinamerikanischen Liedermachern, später Depeche Mode. Jessica geriet in Vergessenheit. Bis ich während der Corona-Maßnahmen begann, gegen Unrecht aufzustehen und mich fortan fast ausschließlich mit Themen wie Meinungsfreiheit, Demokratie, Frieden und Grundrechten beschäftigte.
Eines Tages begegnete mir ein Lied mit dem Titel „Kraniche“. Ich hörte und sah mir das Video an – und Tränen liefen mir übers Gesicht. Da stand ein erwachsen gewordener Tino Eisbrenner in Moskau neben einer bildschönen russischen Sängerin. Er sang auf Deutsch, sie auf Russisch – ein Lied über Soldaten, deren Seelen nach ihrem Tod in den Himmel aufsteigen und als Kraniche über uns hinwegziehen. Ein Lied vom Frieden. Für mich eine große Freude zu sehen, dass Tino Eisbrenner normal geblieben ist, während man bei vielen Liedermachern und früheren Idolen vergeblich auf klare Worte wartete. Ganz zurecht hat er mit diesem Auftritt den 2. Platz eines Russischen Festivals in Moskau belegt – während des Auftritts erhoben sich 6.000 Zuschauer von ihren Plätzen, gestandene Männer hatten Tränen in den Augen. Schöner konnte Deutschland Russland nicht die Hand reichen und beeindruckender konnte Russland sie nicht ergreifen. Dieser Auftritt hat mich zutiefst berührt.
Ich begann, mich mit seinem von mir verpassten Werdegang zu beschäftigen – und staunte nicht schlecht: 22 Alben, fünf Bücher, teilweise ins Russische übersetzt. Er arbeitete in unterschiedlichsten Formationen und Genres weiter, blieb künstlerisch stets in Bewegung. Gemeinsam mit seiner Frau, der Malerin Sofia Eisbrenner, baute er in Mecklenburg-Vorpommern den Vier Winde Hof auf – einen Ort, an dem Musik und Malerei zusammenkommen, an dem Kunst und Kultur ein Zuhause haben. Dort finden Hoffeste unter dem Motto „Musik statt Krieg“ statt, Künstler stellen ihre Werke aus, auf Festivals entstehen Begegnungen.
Tino Eisbrenner bereiste in den Jahren nach der Wende die ganze Welt und verarbeitete seine Eindrücke musikalisch. Besonders russische und indianische Klänge scheinen es ihm angetan zu haben. Nach Aufenthalten in Mexiko, Chile und Nicaragua gründete er das Plattenlabel Mañana Records und veranstaltet demnächst sogar ein lateinamerikanisches Wochenende.
Doch selbst damit ist sein Wirken nicht vollständig beschrieben. Tino Eisbrenner ist weit mehr als ein ehemaliger Popstar, der zum Liedermacher wurde. Er ist Autor und Poet, spielte Jazzprogramme, veranstaltet Brecht-Abende, widmet sich Puschkins Gedichten in ganzen Abendformaten, lässt sich immer wieder auf andere Genres und Künstler ein – und erschafft mit ihnen jedesmal etwas völlig Neues.
Tino Eisbrenner gelingt es, Menschen und Länder mit seiner Musik zu verbinden und zu einen. Freundlich und zugleich entschlossen tritt er für Frieden ein, für Dialog und Diplomatie mit Russland. Hier fordert er „…Türen, durch die alle durchgehen können“. Er singt auf Friedensdemonstrationen, so auch in Dresden, wo ich ihn erstmals live erlebte. Bei Regen und Kälte brachte er das Publikum dazu, laut mitzusingen:
„Singen wir der Welt ein Liebeslied.“
Dieses Liebeslied singen wir nun gemeinsam mit ihm – demnächst in Heidelberg. Wir freuen uns sehr und fühlen uns geehrt, dass Tino Eisbrenner unserer Einladung folgt und den weiten Weg von seinem schönen Vier Winde Hof zu uns auf sich nimmt.
Tino Eisbrenner – „Friedliches Treiben“
14. März 2026, 19 Uhr
Bürgerhaus Bahnstadt, Gadamerweg 1, 69115 Heidelberg
Die Tickets kosten 19 Euro und sind erhältlich direkt bei uns:
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