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„Corona-Schicksale“ – Lesung mit Eugen Zentner in Heidelberg

Am Sonntag, dem 16. November, hatte die Initiative für Demokratie und Aufklärung in Heidelberg zu einer Lesung mit dem Journalisten und Autor Eugen Zentner eingeladen. Er stellte sein neues Buch „Corona-Schicksale“ vor – einen Sammelband mit Kurzgeschichten, in dem die Ereignisse der Corona-Zeit literarisch verarbeitet werden. Zentner legt den Schwerpunkt nicht auf politische Analyse, sondern auf die emotionalen Erfahrungen, die viele Menschen in diesen Jahren geprägt haben.

In den vorgelesenen Passagen seine Buchs „Corona-Schicksale“ schilderte der Autor unter anderem eine Demonstration, die von der Polizei mit massiver Gewalt aufgelöst wurde, sprach über die Entfremdung und Denunziation unter Nachbarn während der Lockdowns und über die verstörenden Erlebnisse vieler Menschen, die durch Maskenpflicht und soziale Sanktionen tief verunsichert oder sogar traumatisiert wurden – vor allem dann, wenn sie sich Anordnungen nicht fügten.

Wie präsent das Thema Corona für viele noch immer ist, zeigte die anschließende Diskussion. Zahlreiche Besucher berichteten von ähnlichen Erfahrungen: vom Gefühl, plötzlich als „Regelbrecher“ oder gar als „Gefährder“ zu gelten, nur weil man spazieren ging oder staatliche Maßnahmen hinterfragte, die sich später als weitgehend wirkungslos oder unverhältnismäßig herausgestellt haben. Auch eigene Erfahrungen mit Behördenwillkür und Polizeigewalt kamen dabei zur Sprache. Viele Zuhörer lobten Zentners Schilderungen dafür, dass sie so nah an der eigenen Realität lägen.

Zentner betonte, wie dringend eine literarische Aufarbeitung dieser Zeit sei – und wie groß zugleich das Tabu in großen Verlagshäusern nach wie vor ist. Das Thema Corona dürfe dort weder kritisch noch künstlerisch aufgegriffen werden. Es wirkt fast, als solle eine Phase, die gesellschaftlich, politisch und sozial tiefgreifende Veränderungen ausgelöst hat, im kulturellen Gedächtnis gar nicht erst vorkommen.

IDA durfte Eugen Zentner bereits zum zweiten Mal in Heidelberg begrüßen: Schon Anfang des Jahres stellte er sein Buch Kunst und Kultur gegen den Strom“ vor, eine beeindruckende Studie über die Rolle der Künstler in der Corona-Zeit, ihre existentiellen Schwierigkeiten und ihren Protest gegen Narrative und Maßnahmen, die ihre wirtschaftliche und künstlerischen Freiheit massiv gefährdeten.

Eugen Zentner ist Redakteur bei Kontrafunk und schreibt als Journalist für zahlreiche alternative Medien. Auch als Autor für das IDA-Magazin konnten wir ihn bereits mehrfach gewinnen. Mit „Corona-Schicksale” legt er nun ein weiteres Werk vor, das eine längst überfällige Perspektive eröffnet: die literarische Verarbeitung einer Erfahrung, die Millionen Menschen geprägt hat. Und die sie immer noch belastet.

Die Bücher von Eugen Zentner gibt es u.a. hier:

https://www.masselverlag.de/Programm/Corona-Schicksale

https://www.masselverlag.de/The-Great-WeSet/Kunst-und-Kultur-gegen-den-Strom

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